Optima-Express | Mit dem Autozug von der Türkei nach Österreich

Wenn ein Ausländer sein eigenes Fahrzeug mit in die Türkei einführt, muss er es spätestens nach zwei Jahren wieder außer Landes bringen. Die Zollgesetze wollen es so. Wer sich die anstrengende Reise über mehr als 3.000 Kilometer nach Deutschland ersparen will, findet eine aufregende Alternative - den Autozug von Edirne nach Villach in Österreich. Wir haben ihn im Juli 2019 getestet.

HOLIDAY OKAY | Der Autozug Optima-Express

Wir steigen in Antalya ins Auto und fahren über Bursa und Istanbul nach Edirne. Die Strecke führt auf perfekt ausgebauten Schnellstraßen durch traumhafte Gegenden. Augen auf und staunen! Wem die gut 1.000 Kilometer an einem Tag zu viel sind, kann unterwegs natürlich gerne eine Übernachtung einplanen. Hotels und Pensionen gibt es genug.


Wir hatten die insgesamt 35-stündige Zugreise mit dem Optima-Express im Vorfeld online gebucht. Das ist problemlos möglich. Für zwei Personen und unser Fahrzeug berechnet die private Betreiberfirma aus Österreich knapp 800 €. Der Flieger ist für zwei Reisende natürlich konkurrenzlos billiger und schneller, aber dafür haben wir eben unseren Wagen im Gepäck. Und ein bisschen Aufregung auch.

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Angekommen in Edirne haben wir unserem Auto für 20 TL eine Wäsche gegönnt und den Tank bis zum Anschlag füllen lassen. Der Liter Diesel kostet in der Türkei umgerechnet etwa einen Euro, in Österreich und Deutschland war er zu diesem Zeitpunkt im Juni 2019 etwa 20 Cent teurer.

HOLIDAY OKAY | Der Autozug Optima-Express

Der Bahnhof von Edirne im Nordosten der Türkei ist ganz auf den Optima-Express eingestellt. Der Zug fährt zweimal pro Woche, Abfahrt ist immer 18:30 Uhr. Spätestens zwei Stunden vorher sollte man vor Ort sein. Das Auto kann man gleich zur Rampe fahren, um es später selbst in den Waggon zu lenken. In einem separaten Bereich beginnt derweil die Bürokratie. Zunächst nimmt ein Mitarbeiter von Optima die Reservierung entgegen und quittiert den Empfang des Wagens. Später erscheint ein Polizist, kontrolliert die Pässe und lässt den Ausreisestempel niedersausen. Schließlich erscheinen zwei Zollbeamte, die nicht nur einen uninteressierten Blick ins Innere des Wagens werfen, sondern vor allem die Ausfuhr des Autos im Zollsystem vermerken. Neu ist offenbar, dass die Fahrzeuge in den Reisepässen nicht mehr ausgetragen werden. Trotz mehrfacher Nachfrage wurde uns erklärt, dies sei nicht nötig. Die gesamte Prozedur dauert gut eine Stunde. Wir warten. In der Hitze des Sommers ist das nicht immer angenehmen, auf dem Bahnhof findet sich aber stets ein schattiges Plätzchen.


Schließlich ist es soweit. Wir setzen uns ans Steuer und fahren im Schritttempo in den Waggon, der nun die rollende Parkgarage unseres Autos sein wird. Bei unserer Reise zählen wir elf Passagiere und sechs Autos. Im Hochsommer sollen die Züge mit zwölf Reisewagen plus Waggons für die Autos komplett ausgelastet sein. Dann reisen meist türkische Familien mit Kind und Kegel und eigenem Auto in den Urlaub. Im Sechs-Mann-Abteil und mit praktisch unbegrenztem Gepäck ist der Zug für sie durchaus eine preiswerte Alternative zum Flieger.


Das Personal sichert die Autos. Wir verabschieden uns vom vierrädrigen Liebling und beziehen unser reserviertes Abteil. Die Einrichtung? Spartanisch, zweckmäßig. Wer die Schlafwagen der Deutschen Bundesbahn oder der Reichsbahn noch kennt, wird sich in alte Zeiten zurückversetzt fühlen. Aber es ist sauber und irgendwie auch gemütlich.

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Pünktlich um 18:30 Uhr zieht die Diesellok den Zug aus dem Bahnhof. Die Reise wird allerdings schon nach wenigen Kilometern unterbrochen. Im türkischen Grenzort Kapıkule stehen wir und warten.

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Dann heißt es, alle aussteigen, Passkontrolle! Wieso? Hatten wir doch schon in Edirne! Egal. Außerdem gibt es einen kleinen Duty Free. Passagiere, die den Zug offenbar schon häufiger nutzten, decken sich mit Zigaretten ein. Dann heißt es, Passkontrolle doch nicht nötig, wir steigen ein. Wieder später kommt dann doch ein Polizist, schaut in die Pässe. Schließlich setzen wir unsere Fahrt in Schneckentempo fort, denn die Grenze zu Bulgarien naht. Halt in Swilengrad. Dort wird die Diesellok ausgespannt, eine moderne Elektrolok wird uns vorgesetzt.


Wir sind in der Europäischen Union. Man kann regelrecht sehen, wie sehr Bulgarien davon profitiert. Die Gleise sind in bester Qualität, die komplette Strecke ist neu elektrifiziert. In Swilengrad werden unsere Pässe eingesammelt und nach einer halben Stunde geht es weiter. Jetzt mit mehr als Tempo 100…

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Inzwischen ist die Sonne untergegangen, uns beschleicht ein leichtes Hungergefühl. Zum Autozug gehört ein Bistrowagen, in dem die Passagiere Getränke und Speisen ordern können. Frühstück mit Heißgetränk vier Euro, Hähnchenschnitzel für zehn Euro. Wir wählen eine Linsensuppe für drei Euro. Naja, schmeckt nach Büchsensuppe. Dazu wird Weißbrot gereicht. Das Bordpersonal besteht ausschließlich aus Männern, und die sind immer zur Stelle, wenn es Wünsche gibt. Sie sprechen türkisch, bulgarisch, bisschen deutsch, bisschen englisch. Irgendwie geht’s immer.

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Für die Nachtruhe klappen wir in unserem Abteil die Betten auf. Das Personal hatte uns jeweils zwei weiße Laken und einen Kissenbezug gereicht. Alles frisch und in Folie eingeschweißt. Unser Nachtlager genügt einfachen Ansprüchen, aber mehr hatten wir auch nicht erwartet. Die Abkühlung durch die frische Zugluft tut gut. Und trotz der Fahrgeräusche und des Gerumpels auf den Schienen schlafen wir irgendwann den Schlaf der Gerechten.


Bis nachts halb zwei. Der Zug hält. Ein Optima-Mitarbeiter klopft an die Abteiltür, zuckt schuldbewusst mit den Schultern und sammelt die Pässe ein. Grenze zu Serbien. Außerdem wird wieder eine Diesellok vorgespannt. Serbien ist nur EU-Beitrittskandidat, aber kein Mitglied, daher die Kontrolle. Das Land profitiert auch noch nicht im vollen Umfang von den Strukturhilfen der Gemeinschaft. Das ist deutlich zu spüren, denn die Gleise sind marode, es rumpelt mächtig und die Fahrt geht nur in schnellerem Kutschentempo voran.


Am nächsten Morgen fühlen wir uns ein wenig wie gerädert. Doch das Frühstück im Bistrowagen inklusive Kaffee für vier Euro weckt die Lebensgeister. Auch ist es um die morgendliche Zeit frisch und angenehm. Die Sonne steht am wolkenlosen Himmel allerdings bereits in den Startlöchern. Kühlung verspricht also auch heute nur der Fahrtwind, denn klimatisiert sind die Waggons nicht. Irgendwann sind wir in Belgrad. Von der serbischen Hauptstadt kann man sich aus dem fahrenden Zug einen guten Eindruck verschaffen. Überall wird gebaut, der Bahnhof wirkt nagelneu.

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Weitere Stunden vergehen, dann verlassen wir Serbien und fahren in Kroatien ein. Seit 2014 ist das Land EU-Mitglied und der Unterschied zu Serbien ist frappierend. Wieder bekommen wir eine neue E-Lok, und die hat ordentlich Kraft unter der Stromleitung. Ob Gleise, vorbeifliegende Häuser, Industrieanlagen oder Äcker – alles wirkt neu und gepflegt. Auch die beiden Grenzkontrolleure, die bei der EU-Einreise unsere Pässe sehen wollen, wirken besonders freundlich.


Die zweite Nacht wird erneut von einer Grenzkontrolle unterbrochen. Diesmal Slowenien. Doch das Ziel Villach in Österreich ist nicht mehr weit. Kurz nach 4 Uhr sind wir da. Erneut läuft alles ziemlich unspektakulär ab. Wir packen unsere Siebensachen zusammen, in dieser Zeit stellt eine Lok die Autowaggons zum Empfang bereit. Nach wenigen Minuten sitzen wir im Wagen.

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Nix passiert, alles gut. Und dennoch sind wir froh, das kleine Abenteuer überstanden zu haben. 35 Stunden bei sengender Hitze in einem engen Schlafwagenabteil – ohne Klimaanlage und Duschmöglichkeit – modernes Reisen sieht anders aus. Zugleich war es eine neue Erfahrung, die wir nicht missen möchten.


Unser Fazit: Es war interessant, aber einmal reicht.

HOLIDA OKAY | INSIDER-TIPPS FÜR DIE REGION ALANYA / ANTALYA an der TÜRKISCHEN RIVIERA /// www.holiday-okay.info
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